Das Huttaler Widerwaagesystem

"Mit den Gruben Dorothea und Caroline befanden sich die beiden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reichsten und auch mit am höchstgelegenen Gruben des Oberharzes in diesem Revier. Sie begründeten durch ihre fast 150-jährige Ausbeutezeit (Ausbeute = Gewinn) die Blüte des Oberharzer Bergbaus."

Quelle: Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal, Seite 31-33.

Die Gruben Dorothea und Carolina 1834.

"Ein störungsfreier Betrieb gerade dieser beiden Anlagen mußte auf jeden Fall garantiert werden. Da hre Wasserräder auf dem 1. Gefälle nur über den Hirschler und Jägersbleeker Teich als Speicherteiche verfügten (Gesamtstauraum: 1,1 Mio m3) – das Caroliner Kehrrad nur aus dem Oberen Fall des Hirschler Teiches beaufschlagt werden konnte – wurden folgende Wege beschritten:

1. Vergrößerung des Einzugsbereiches des Teiches durch den Oberen Kehrzug- und den Neuen Graben (Hirschler Graben) sowie durch den Kautztaler und Schwarzenberger Graben;

2. Erhöhung des Teichdammes vom Hirschler Teich (1725/26), die sein Fassungsvermögen auf knapp 700.000 m3 vergrößerte;

3. Schaffung eines genialen Verbundsystemes mit dem annähernd höhengleich liegenden Jägersbleeker Teich zur Bereitstellung von Rückstauraum (Huttaler Widerwaage);

4. Anschluß an den Dammgraben über das Polsterberger Hubhaus, der aus den schon erwähnten Schwierigkeiten beim Bau des Sperberhaier Dammes nicht bis auf die Höhe des 1. Gefälles geführt werden konnte. ..."

Quelle: Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal, Seite 31-33.

Zeichnungen: Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 2, Osterode, Seite 54b bis 54p.

"..In Flutzeiten bestand die Gefahr des Überlaufens des Hirschler Teiches, da wegen der talwärts liegenden Anlagen und Wohnstätten nur geringe Wassermengen durch die Ausflut fließen durften, um keine Gefährdung hervorzurufen. Um möglichst viel Wasser auf dieser Höhe halten zu können, ohne es „fehlzuschlagen“, d. h. unausgenutzt talwärts ablaufen zu lassen, schaffte man künstlich einen Rückstauraum, indem man den Hirschler Teich über den Huttaler Wasserlauf und Graben, den Schwarzenberger Wasserlauf sowie den Tränkegraben mit dem fast auf gleicher Stauhöhe (ca. 2 m niedriger) liegenden Jägersbleeker Teich verband."

Quelle: Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal, Seite 31-33.

Dumreicher. A. (1866): Grundriss der Oberharzer Wasserwirtschaft; HSTAH BaCl Rissarchiv Nr 996_1.

Dumreicher. A. (1866): Grundriss der Oberharzer Wasserwirtschaft; HSTAH BaCl Rissarchiv Nr 996_1.

"Die Gräben und Wasserläufe wurden totsöhlig (Steigung +/- 0°) angelegt, so daß bei Anstieg des Wasserspiegels im Hirschler Teich über die ca. 3.340 m lange Strecke ein Gefälle zum Jägersbleeker Teich entstand und man rd. 100.000 m3 Wasser rückstauen konnte! Reichte dieses Stauvermögen nicht aus, öffnete man einen Fehlschlag in der Huttaler Widerwaage – ein sorgfältig gemauertes Becken, in das der Huttaler Wasserlauf und Graben münden – und ließ die Wasser ohne Gefahr ins Huttal laufen."

Quelle: Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal, Seite 31-33.

Der Fehlschlag der Wiederwaage durch den das Wasser in Flutzeiten in das Hutthal abläuft.

Der Fehlschlag der Wiederwaage durch den das Wasser in Flutzeiten in das Hutthal abläuft.

"Die ...Polsterberger Hubkunst, mit der das Wasser in den rd. 18 m über dem Dammgraben liegenden Tränkegraben gehoben wurde, beseitigte die gelegentlich auftretenden Engpässe in der Wasserversorgung des 1. und 2. Gefälles des Burgstädter Reviers. Die Hubkünste erhielten ihren Antrieb von zwei 260 bzw. 530 m entfernt stehenden Kunsträdern über" (Feldgestänge und später) "Seiltransmissionen. Das Aufschlagwasser entnahm man dem Fortuner Teich."

Quelle: Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal, Seite 31-33.

Die Entwicklung der Wiederwaage im Detail:

Burgstätter Zug 1661

Kartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.


"Anlaß zum Bau des Hirschler Teiches im Jahr 1646 gab die im selben Jahre aufgenommene Grube "Grüner Hirsch" (1646/1808). Zusammen mit dem unterhalb liegenden, kaskadenförmig angeordneten Oberen und Mittleren Pfauenteich bildete er das Rückgrat der Wasserversorgung des Oberen Burgstätter Revieres.

Zeitgleich mit den Abteufarbeiten der Gruben Dorothea und Carolina versuchte man durch unterschiedlichste Maßnahmen baulicher und organisatorischer Art Speicherraum und Versorgungssicherheit im Hinblick auf diese beiden Gruben zu maximieren..."

Quelle: Knissel / Fleisch (1983): Die Oberharzer Wasserwirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart: Technische Universität Clausthal, Seite 104.

1670

Kartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.

1659 beginnt mit dem Bau des Mönchstaler Wasserlaufs und dem Beginn des Langen Grabens die wasserbauliche Entwicklung nach Osten. Die Clausthaler Bergleute erhoffen für sich die Wasser des Bruchberges und des Acker-Höhenzuges erschließen zu können.
Der Lange Graben und der Mönchstaler Wasserlauf hatten einen Vorgänger der heute noch im Gelände ca 5 Höhenmeter unter dem heutigen Dammgrabenniveau aufzufinden ist, den Clausthaler Grabe mit dem dazugehörigen Wasserlauf hinüber zum Oberen Haus Herzberger Teich.

Die beiden Gräben auf der Karte von Großkurt und Ernst aus dem Jahre 1675.

1674

Kartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.
1670 wird mit dem Bau des Johann-Friedricher Teiches das Wassereinzugsgebiet der Innerste erschlossen. die Wasserscheide zur Oker wird bis 1674 mit dem Johann.Friedricher Wasserlauf unterquert und das Wasser dem Burgstätter Zug zugeführt.
Bereits 1671 entsteht der Obere Nassenwieser Teich der jedoch erst später zum Burgstätter Zug mit herangezogen wird.

1673 erreicht der Lange Graben den Sperberhai. Hier tut sich vor dem Graben jedoch eine Geländedelle auf.
Den Clausthaler Bergleuten ist damit der Zugriff auf die Wasser des Acker/Bruchberghöhenzugs verwert. Eine Querung der Geländemulde ist mit den Mitteln der damaligen Zeit noch nicht möglich.

Notgedrungen baut man den Graben entlang der Höhenlinie, nun nach Westen, weiter bis ins obere Huttal.

Zeichnunge: Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 2, Osterode, Seite 54b bis 54p.

Im Bereich des Polsterberges gibt es 1673 einen alten Eisenstein-Stollen, dessen Munloch liegt nur wenige Meter über der Grabensohle des Langen Grabens, heute auf der Wiese des Polsterberger Hubhauses, dass damals aber noch nicht existierte.

Zeichnunge: Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 2, Osterode, Seite 54b bis 54p.

1773-75 wird der Lange Graben bis in das Obere Laddenkental fertiggestellt.

Seine Reste sind noch heute, etwas westlich einer kleinen Felsnase, am heutigen "unteren"Huttaler Graben auffindbar.

1682

Zeichnunge: Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 2, Osterode, Seite 54b bis 54p.

>>Zu etwa gleicher Zeit erfolgt der Bau des Oberen Huttaler Teiches. Er dient dem Langen Kunstgraben als Speicherteich und nimmt die oberhalb von ihm liegenden, bei "Flutzeiten" starken Quellen, auf.
Damit der Teich einen stärkeren Zufluss erhält, wird der Obere Huttaler Graben gebaut, der die zusätzlichen Wasser vom (oberen) Laddekental in den Teich bringt.
Der Obere Huttaler Graben "gräbt" dem unter ihm liegenden Teilstück des Langen Kunstgrabens förmlich das Wasser ab.
Dieses Teilstück des Ferngrabens wird aufgegeben.<<
Quelle:Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Teil 2, Osterode. Seite 3.

1690

Kartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.
Um den Langen(kunst) Graben weiter zu verkürzen und damit Betriebskosten einzusparen verlängert man den alten Eisensteinstollen bis 1691 zum "Alten Polsterberger Wasserlauf".

>> Als Staubecken für den Wasserlauf wird der Untere Huttaler Teich angelegt. In seinem Grunde befindet sich das Mundloch des Mundloch des Alten Polsterberger Wasserlaufs, der somit bei gefülltem Teich ständig unter Wasser steht.
Damit der Teich aufgestaut werden kann, befindet sich ein Striegeldamm im Wasserlauf, mit dessen Hilfe ein geregelter Abfluss erfolgen kann. <<
Quelle:Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Teil 2, Osterode. Seite 3.

Das Mundloch des "Alten Polsterberger Wasserlaufs" auf der Wiese beim heutigen Polsterberger Hubhaus. durch einen kleinen Damm wird das Stollenwasser heute gestaut, beim genauen Hinsehen erkennt man aber das gut erhaltene Mundloch. Rechts oben die Halde des späteren "Schornsteins".Direkt unterhalb finden sich die Reste des Langen Kunstgrabens an.

Zeichnunge: Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 2, Osterode, Seite 54b bis 54p.

Die Situation 1691 auf der Zeichnung von Klaus Kielgast.

rfKartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.

1709 kommt eine der ertragreichsten Gruben des Harzes, Dorothea, in Ausbeute. Für Sie wird 1710 der Dorotheer Kehrradsgraben angelegt.
Die Clausthaler Bergleute nehmen sich des Problems Sperberhaier Damm wieder an um endlich die Wasser des Acker/Bruchbergs zu errreichen.
Als 1715 die nebenan gelegene Grube Caroline ebenfalls in Ausbeute kommt, wird die Not um ein mehr an Aufschlagwasser für die Kunst- u. Kehrräder drängend.
1717/18 wird der Hirschler sowie der Jägersbleeker Teich erhöht.
1719 wird der Neue Benedikte Teich (Entensumpf), sowie der Obere Kehrzuggraben angelegt und das Wasser mit Hilfe des Benedikter Wasserlaufs dem Hirschler Teich zugeführt. Gleichzeitig vergrößert man das Wassereinzugsgebiet für den Jägersbleeker Teich mit Hilfe des Jägersbleeker Wasserlaufs und des Alten Tränkegrabens.



Vorläufiges Ende

>>Anlaß zum Bau des Hirschler Teiches im Jahr 1646 gab die im selben Jahre aufgenommene Grube "Grüner Hirsch" (1646/1808). Zusammen mit dem unterhalb liegenden, kaskadenförmig angeordneten Oberen und Mittleren Pfauenteich bildete er das Rückgrat der Wasserversorgung des Oberen Burgstätter Revieres.

Zeitgleich mit den Abteufarbeiten der Gruben Dorothea und Carolina versuchte man durch unterschiedlichste Maßnahmen baulicher und organisatorischer Art Speicherraum und Versorgungssicherheit im Hinblick auf diese beiden Gruben zu maximieren...
..1724 wurde unterhalb der linken Teichdammseite des Mittleren Pfauenteiches ein Wasserrad errichtet. Es besaß eine Dreifachfunktion: Kunst- und Kehrrad für die Grube Dorothea (403m langes Doppelgestänge) und ein Geschlepp-Kunstrad für die Grube Carolina.
Es standen folgende Teiche und Aufschlaggräben zu Verfügung:

-Hirschler Teich, unten (Dorotheer Kehrradsgraben)

-Oberer Pfauenteich, Überlauf (Dorotheer Kehrradsgraben)

-Jägersbleeker Teich, oben (Dorotheer und Caroliner Kunst u. Kehrradsgraben, 1718 mit dem Teich erbaut)

-Langer Teich, oben (oberer Fallgraben Langer Teich , mündet in den Graben vom Jägersbleeker Teich).

-Johann Friedricher Teich, oben (Johann Friedricher Wasserlauf, Dorotheer Kehrradsgraben)

-Oberer NassenwieserTeich, oben (Nassenwieser Graben und Wasserlauf, Prinz Walliser Wasserlauf, Johann Friedricher Wasserlauf).

Um das Doppelgestänge verlegen zu können, musste ein heute noch sichtbarer Damm auf der linken Teichseite im Mittleren Pfauenteiche aufgeschüttet werden.<< (Knissel/Fleisch, 1983; S. 104)

Kartenauschnitt aus:: Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.

Die kolorierte Karte von Quensell (1800) zeigt die Gräben und Speicherteiche die 1724 zur Wasserversorgung der Gruben und Carolina zur Verfügung standen.
Blau eingezeichnet die Teiche und Grabentouren, im orangen Kreis in grün das Doppelgestänge zu Dorothea und nach links abzweigend das Geschlepp zur Carolina. Ebenfalls eingezeichnet die Kunstradstube, die auf der Karte von Quensell (1800) bereits nicht mehr zu sehen ist.
Auf der anderen Seite der Wasserscheide im Flussgebiet der Innerste liegt im oberen Bildrand der Johann Friedricher- Wasserlauf u.Teich.
Von rechts kommt der Prinz Walliser Wasserlauf, der das Wasser vom Oberen Nassenwieser Graben und Wasserlauf herüberbrachte.
Der NassenwieserTeich befindet sich außerhalb des oberen Bildrandes im Flussgebiet der Innerste.
Die Karte ist nicht genordet, oben ist hier Süden.

1731 erhielt die Grube Carolina ebenfalls ein eigenes Kehrrad,...
Es wurde dem Dorotheer Kehrrad parallel geschaltet und trieb über ein 720m langes Doppelgestänge mit 3 Winkeln die Seiltrommel an. Diese Lösung muss von der der Versorgungsseite als auch von der Kraftübertragung als Fehlplanung angesehen werden. Beide Räder konnten nur bei viel Wasserzufluss laufen.

Quellen:

Knissel / Fleisch (1983): Die Oberharzer Wasserwirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart: Technische Universität Clausthal.

Knissel / Fleisch (1999): Warum Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“: Technische Universität Clausthal.

Kielgast, Klaus (1996): Das Huttal, Das Huttal Teil 1-4, Osterode.

Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800):Situations Carte von denen im Clausthalischen Bergamts Revier befindlichen Teichen, Wasserleitungen und Wasserfällen.; HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221.

Haase, Hugo; Lampe Wolfgang (1985): Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz, 5.Auflage: Clausthal-Zellerfeld.

Schmidt: Schmidt, Martin (1989): Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus;Bergisch-Glattbach.

Ministerium Wissenschaft und Kultur (2008): Antrag zur Eintragung der Oberharzer Wasserwirtschaft in die UNESCO-Welterbeliste; Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt Goslar, Hannover-Braunschweig.

Preussag AG (1963): Übersichtsplan der Betriebsanlagen; NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc. 2 Nr. 776.

Liessmann, Wilfried (2010): Historischer Bergbau im Harz, Ein Kurzführer. 3.Auflage: Berlin/Heidelberg.

Nietzel Hans-H. (1983) Die alte Oberharzer Wasserwirtschaft. Herzberg.

Nietzel (2003): Georg Andreas Steltzer, von Wasserleitungen und Teichbau und dem Hutthaler Widerwaagesystem. Clausthal-Zellerfeld.

Trunz, Volkmar (2000): Dumreicher, A.: Gesammtüberblick über die Wasserwirthschaft des nordwestlichen Oberharzes, Clausthal, 1868. Clausthal-Zellerfeld.

Welke, Peter (2012): Forschungen zur Deutschen Landeskunde, Band 260. Leipzig.

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