Exkursion ins Spiegeltal

Eyecatcher: Die Wegesmühle auf einer historischen Postkarte. Im Vordergrund der Mühlengraben.

Eine Exkursion zu den Gräben und Teichen des Spiegel- und Grumbachtals.

Ein Bericht von Birgit Jung, Braunschweig.

Das romantische Spiegeltal ist an seinen Hängen von zahlreichen übereinanderliegenden Gräben durchzogen.
Das Wasser dieser Gräben diente früher als Antriebsquelle der Wasserräder der Berg- und Pochwerke und Mühlen.
So konnten Gruben auch ohne elektrischen Strom gesümpft, Erzgestein zerkleinert und Korn zu Mehl zermahlen werden.

Die ehemaligen Mühlen, Unter-, Mittel-,Brink- und Wegesmühle, stehen noch heute im Bereich des oberen Spiegeltals. Von der Brinkmühle sieht man allerdings nur noch Ruinenreste im Gelände.
Wasser war oft knapp, daher wurde es in den Gräben mehrfach genutzt.
Floss es z. B.: im hangobersten Graben am Berg zunächst in die eine Richtung bis zum ersten Wasserrad,
gelangte es nach Antrieb des Rades einige Meter tiefer auf dem Hang über die Auslaufrösche der Radstube zum nächsten Graben und stand so dem folgenden Nutzer zur Verfügung.
Diese Form der Wasserverteilung setzte sich fort, bis auch das letzte Rad, schon im Tal gelegen, sein Wasser erhalten hatte. Nicht selten drehte sich dazu die Fließrichtung des Wassers für den neuen Graben um, denn am Hang befanden sich viele Wasserräder neben und übereinander.
Dieses Prozedere hatte den Vorteil, daß dieselbe Menge Wasser, wenn auch nacheinander, vielen Kunst- und Kehrrädern zur Verfügung stand.
Ein weiterer Aspekt der Wassernutzung soll nicht unerwähnt bleiben: Das Flössen von Holzstämmen.
Auch zwei von diesen Flössgräben werden wir auf dieser Tour kennenlernen.
Wer fit genug ist und keine Mühen scheut, der kann die Hänge hinaufklettern und wird dabei über die vielen Gräben und Pingen (hoffentlich nicht) stolpern.
Die Namen der einzelnen Gräben stehen in den Erläuterungen am Ende des Artikels.

Quelle Karte: Krieghoff, Jürgen: Die Beschreibung der Spiegeltaler Gräben.


Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Forstweg neben dem Schwimmbad von Wildemann gleich hinter dem Minigolfplatz.
Bevor links der Pfad zum Spiegelbach in Richtung Untermühle abzweigt, sehen wir rechts eine Dennert-Tanne, die uns auf den Standort der Grube "König Salomon" aufmerksam macht.
Wir folgen dem Weg ins Spiegeltal und finden schon bald eine zweite Dennert-Tanne, diesmal mit Hinweisen zum Bergwerk "Frischer Steiger".
Auf dem weiteren Verlauf unseres Weges bis hin zur Untermühle, die gut 4 km entfernt liegt, überwinden wir acht kleine Aufstiege am Berg, jeweils gefolgt von längeren, fast ebenerdigen Abschnitten.
Wir fragen uns: "Warum die vielen kleinen Anstiege, wenn auch sportlich nicht so ambitionierte Wanderer doch die gesamte Höhe bis zur Untermühle problemlos in einem Anstieg bewältigen könnten, ohne gleich außer Atem zu gelangen?"
Die Antwort ist einfach. Fast jeder ebenerdige Wegabschnitt war ehemals die Trasse eines Grabens am Hang.
Oft sind diese Gräben nicht mehr als solche zu erkennen, da sie vom Wanderweg überprägt sind oder nur noch als trockene, flache Mulde rechts auf dem Weg verlaufen.
Teilweise sieht man den Graben deutlich, doch ist er meist in schlechtem Zustand, in Regenzeiten aber immerhin noch in einigen Abschnitten wasserführend.
Drei Ausnahmen bestätigen hier die Regel:
Der hangoberste Graben (dem wir auf dieser Tour allerdings nicht begegnen), Zellerfelder Kunstgraben genannt, bringt heute noch vom Großen Kellerhalsteich über Winterwieser Wasserlauf und weiter über Jungfrauer Kehrradsgraben und Oberer Einersberger Graben Wasser zu einer Turbine im Zellerfelder Tal.

Auch im Flößgraben, weiter unten im Spiegeltal, plätschert noch munter Wasser, welches heute dem Spiegeltaler Wasserfall als Quelle dient. Wir werden ihn noch sehen.
Der Graben von der Untermühle führt noch Wasser, sein Name erklärt seine ehemalige Funktion.
Doch kommen wir zurück zu unserer Hinweistafel vom "Frischen Steiger".
Hier folgen wir weiter dem Weg am Bach und erreichen nach dem zweiten Anstieg kurz vor dem Spiegeltaler Zechenhaus abermals eine Dennert-Tanne.
Sie steht an einer großen Halde, die dem Spiegeltaler Hoffnungsschacht zuzuordnen ist.
Wer etwas zur Geschichte des Zechenhauses erfahren möchte, der lese die Aufschrift auf der Dennert-Tanne am Gebäude.

Foto: Jung, Birgit: Das Spiegeltaler Zechenhaus im Mai 2015.

Wir gehen über den Hof vom Zechenhaus (Gastronomie zur Zeit geschlossen), ein kleines Stück an der Landstraße entlang und wenden uns wieder dem Weg am Bach zu.
Nach dem dritten Aufstieg weitet sich der Weg zu einem Platz.
Hier kann man einmal deutlich am Hang schon den nächsthöheren Graben als hangparallele Linie erkennen.
Seine alte Trasse erreichen wir auf dem Weg nach dem vierten Anstieg.
Der fünfte Anstieg führt uns auf einen neuen breiteren Platz, auf dem sich das Mundloch des Hülfe Gottes zur Neumark Tagesstollen befindet. Aus ihm fließt je nach Jahreszeit ein kleineres oder größeres Bächlein, das wir auf einer alten Brücke überqueren.
Bald erreichen wir den Damm des Unteren Spiegeltaler Teichs.
Hier dürfen wir den sechsten Aufstieg überwinden und werden dafür mit dem Blick auf den schönen Teich belohnt.
Nicht selten trifft man hier Angler.
Auf dem weiteren Abschnitt des Weges kommen wir nun zum ersten Mal an einen deutlich sichtbaren Graben am Wegrand.
Er ist leider in schlechtem Zustand, aber man kann an einigen Stellen etwas vom seinem besonderen Aufbau erfahren:
Es gibt hier z. B. alte Grubenschienen, die der Wandverstärkung dienen. An einer kleinen Brücke sind noch die Überreste eines Fehlschlages, (eines Wehres zur Wasserableitung in Hochwasserzeiten) zu finden.

Foto. Jung, Birgit: Der Flößgraben.

In der Nähe des Dammes zum Oberen Spiegeltaler Teich treffen wir auf den schon beschriebenen Wasserfall des Flössgrabens.
Auch diesmal gibt uns eine Infotafel Auskunft über seine ehemalige Funktion während der Bergbauzeit.

Bild: Spiegeltaler Wasserfall

Bild: Spiegeltaler Wasserfall

Birgit Jung

Foto: Jung, Birgit: Spiegeltaler Wasserfall

Nachdem wir den siebten Anstieg "erklommen" haben, schauen wir auf den Oberen Spiegeltaler Teich.
An seiner rechten Seite führt der Weg neben dem Flössgraben weiter, wir folgen ihm bis zu der Wegkreuzung nach Clausthal-Zellerfeld.
Hier hätten wir die Möglichkeit, einen Abstecher auf dem steilen Weg den Hang hinauf zu machen und dabei mit etwas Suchen die hanghöheren Gräben im Gelände zu entdecken. (Auch diesmal bietet die vegetationsfreie Zeit Vorteile.)
Eine Hinweistafel beschreibt die Gräben näher.
Am letzten Graben, dem schon genannten Zellerfelder Kunstgraben, kehren wir wieder zurück zum Flössgraben und setzen dort unsere Wanderung in Richtung Untermühle fort.
Dorthin haben wir es bald geschafft. Noch einmal überqueren wir eine Brücke, steigen eine kleine Treppe hinauf und nach einem kleinen Stück Weg erblicken wir die Untermühle, heute ein beliebtes Hotel für Biker und Feinschmecker.
Für eine kurze Rast bei einem Stück Kuchen mit Kaffee oder Tee im Restaurant oder Hotelgarten ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen.

Foto: Jung, Birgit: Hotel zur Untermühle.

Frisch gestärkt geht es weiter.
Gegenüber dem Hotel führt ein schmaler Pfad links von der Straße auf den Hang. Bald laufen wir in den Wald hinein und eine kleine Senke im Weg lässt den nächsten Graben erkennen, den Stadtweger Graben.
Er bekam sein Wasser vom gleichnamigen Teich in Zellerfeld, gegenüber der Erbprinzentanne gelegen, und brachte es u. a. durch den Pistaler Wasserlauf bis zu den Gruben in Bockswiese.
Doch die aktiven Zeiten des Stadtweger Grabens sind lange vorbei. Daher gehen wir weiter bis zum Harteweger Graben (aufgefahren vor 1850).
Früher brachte er Wasser vom Mittleren Kellerhalsteich (= Großer Kellerhalsteich) bis zum Zellerfelder Hoffnungs-Richtschacht im Pistaler Revier. Heute führt er nur noch die überschüssigen Wasser des Teiches bis ins Kleine Pistal und von dort Richtung Oberer Spiegeltaler Teich.
An diesem Graben wenden wir uns nach rechts und gehen bis zur Brücke.
Dem hier kreuzenden großen Weg folgen wir den Berg hinauf und gelangen bald darauf an die B241.
Der kleine Pfad links neben der Straße in Richtung Goslar bringt uns in die Nähe des Kreuzecks.
Auch hier begleitet uns ein alter Graben, sehr verfallen und fast schon unter den vielen Brombeerstauden verschwunden.

Er heißt Oberer Schalker Graben (Baujahr 1713, Länge 3466m).
Sein Wasser erhielt er von der Schalke und brachte es bis zu den Gruben im Bockswieser Revier, später bis nach Hahnenklee.
Bald erreichen wir die Abzweigung zum Kreuzeck. Würden wir diesem Weg folgen, so kämen wir zu den Teichen der Auerhahnkaskade, die sehr schön sind und zum Verweilen einladen.
Auch eine weitere Möglichkeit zu einer Einkehr gibt es hier. Die Kuchen im Café Egerland sind sehr lecker.

Folgen wir dem Weg am Oberen Schalker Graben, treffen wir kurz darauf auf die Straße nach Hahnenklee.
Hier biegen wir nach links ab und laufen, bis wir auf die größere Forststraße über den Eselsberg treffen.
Auch hier wenden wir uns nach links. An einer Kreuzung steht eine Wanderhütte. Wer will, kann hier ein Picknick machen, danach lassen wir die Hütte links liegen und gehen hinunter in das Grumbachtal.

Nun müssen wir aufpassen, um nach etwa 1,2 km die kleine Abzweigung rechts auf den sehr schmalen Pfad runter zum Steg über den Flössgraben (wasserführend) im Grumbachtal nicht zu übersehen.
Wir überqueren den Steg, der direkt neben einem Fehlschlag liegt und wandern auf dem Grabenweg, in der Bergmannsprache Grabenbrust genannt, in Fließrichtung des Wassers.
Auch dieser Weg endet an einem Wasserfall, ähnlich wie im Spiegeltal. Besonders in Regenzeiten sprudelt es hier herrlich wild.
Kurz vor dem Ende des Weges geht es hinunter zum hübschen Grumbacher Teich.
Wir queren den Teichdamm und begeben uns auf der großen Forststraße durch das schöne Grumbachtal talwärts in Richtung Wildemann. Bis wir den Ortsrand erreicht haben, können wir uns noch über verschiedene Baumarten auf Infotafeln am Wegesrand informieren.
Sehen wir die ersten Häuser, haben wir es auch schon fast geschafft. An der asphaltierten Straße wenden wir uns nach links und treffen kurz darauf wieder auf den Weg am Wildemanner Schwimmbad.

Birgit Jung, Braunschweig

Literatur
Haase, Hugo: Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz, 5. Auflage 1985
Krieghoff, Jürgen, Bad Sachsa: Grabenkarte und Erläuterungen; hier als pdf downloaden.

Diesen Exkursionsbericht können sie hier als pdf downloaden.

Die Tourdaten und eine Karte zur Tour finden Sie hier: https://www.komoot.de/tour/7864379


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