Schacht Kaiser-Wilhelm II

Das Herzstück des Wilhelmschachtgefälles.

Der Kaiser-Wilhelm-Schacht oder Schacht Kaiser Wilhelm II war der zentrale Förder- Seilfahrt- und Energieschacht des Burgstätter Zuges.

1880 begonnen, wurde dieser am 01. Oktober 1892 eingeweiht und auf Wunsch der Belegschaft "Schacht Kaiser-Wilhelm II" genannt.
Der Kaiser höchst selbst weihte den Schacht ein.

Anfänglich war die Schachtanlage mit einer Dampfmaschine sowie einer untertägigen Wassersäulenmaschine zur Förderung ausgestattet.
Späterhin wurde die Dampfmaschinen- auf eine elektrische Förderung umgebaut.

Mit dem Einbau mehrerer Pelton-Turbinen in den Jahren 1911/14 bis 1953 bildete der Wilhelmschacht bis 1980 als Kraftstufe I das Herzstück der Oberharzer Wasserwirtschaft.

Heute ist der Schacht verschlossen, die Turbinen stehen noch immer in der Dunkelheit in 364m Tiefe und warten auf ihre Reaktivierung.

Die Einweihung des Kaiser Wilhelmschachtes am 01. Oktober 1892.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

"Der Schacht Kaiser Wilhelm II. zur Betriebszeit um 1900. ..
... Am 1. April 1880 begannen die Abteufarbeiten. Bereits 1885 wurde der Ernst-August-Stollen in 364m Teufe erreicht. Am 22. August 1892 wurde der Schacht eingeweiht und übernahm die Hauptförderung des Burgstätter Reviers.
Ab 1898 erfolgte eine söhlige (waagerechte) Förderung der Erze auf der Tiefsten Wasserstrecke in 620m Teufe mit elektrischen Fahrdrahtlokomotiven. ...
... Im Jahr 1912 geschah der Anschluß der 23. Strecke in 942m Teufe.
Der Abbau ging1914-30 auf der 24. Strecke um (1023m), bis zu der ein Blindschacht getrieben wurde.
Zwischen 1913 und 1951 sind insgesamt sechs Pelton- Turbinen eingebaut worden, die bis 1980, als die Wassernutzungsrechte von der Preussag an das Land Niedersachsen übergingen Strom erzeugten."

Bezüglich der Einweihung des Schachtes gehen die Quellen etwas auseinander. Eventuell fand die erste Seilfahrt am 22. August 1892 statt und der Schacht wurde am 01. Oktober feierlich eingeweiht.
Die meisten Quellen geben zur Einweihung das letztere Datum an.

Quelle:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 45 u. 46.
Bild:
Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Die Schachtanlagen um 1898 auf einer Zeichnung von H-J. Boyke, Clausthal-Zellerfeld.

Die Schachtanlagen um 1898 sind auf der Zeichnung von Hans-Jürgen Boyke gut zu sehen.
Der Vollständigkeit halber ist die Tiefste Wasserstrecke bereits mit eingezeichnet.

Die historische Fördermaschine des Kaiser-Wilhelmschachtes ist heute Teil der Ausstellung zur Oberharzer Wasserwirtschaft.
Sie ist im Rahmen einer Führung der Welterbe-Ausstellung Wasserwirtschaft auf dem Betriebshof der Harzwasserwerke GmbH zugänglich.

Ein Fördermaschinisten in der letzten Betriebszeit der Anlage.

Fotos: Ausstellung in der Welterbe-Ausstellung Wasserwirtschaft, auf dem Betriebshof der Harzwasserwerke GmbH.

Die Rasenhängebank des Kaiser Wilhelm Schachtes im Zustand von 2013. Die Schachtsäule ist mit einer 60m Betonplombe gesichert und nur im oberen Bereich sichtbar.

"Der Fördertrum des Kaiser-Wilhelm-Schachtes aufgenommen von der Sohle des Ernst-August-Stollens nach oben. ...
Je Meter wurden 1225 kg Eisenausbau verwendet. ... 10m Schacht auszubauen dauerte lediglich 24 Stunden, während für die gleich Ausbaulänge in Holz etwa vier Wochen benötigt wurden. Im Schnitt wurden jährlich 72m abgeteuft. Geschossen wurde mit elektrisch gezündetem Dynamit.
Zu sehen sind die Spurlatten, welche den Förderkorb seitlich führten. ...
Seit 1984 verschließen 60m Beton oben den Schacht."

"Als Novum im Harzer Bergbau erhielt der Kaiser-Wilhelm-Schacht eine kreisrunde Schachtscheibe von 4,75m lichtem Durchmesser.

Quellen:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 52 u. 55.

Liessmann, Wilfried (2010): Historischer Bergbau im Harz, Ein Kurzführer. 3.Auflage: Berlin/Heidelberg, Seite 180.

"Eine Fahrung im Förderkorb am Schacht Kaiser Wilhelm II. um 1910. ...
... Der Förderkorb löste die Fahrkunst als Mittel zur Personenbeförderung im Schacht ab.
Zunächst verband er die Tagessohle mit dem Ernst-August-Stollen. Zu seiner Führung waren hölzerne Spurlatten angebracht.
Die Sicherheit während der Fahrt konnte erheblich verbessert werden, den früher brachen oft die Fahrten oder gar Fahrkunstgestänge."

Quelle:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 46 u. 47.
Bild:
Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Die Anordnung der untertägien Maschinenkavernen in 360m Tiefe auf der Zeichnung von HansJjürgen Boyke, Clausthal-Zellerfeld.

"Die Wassersäulenmaschinen des Kaiser-Wilhelm-Schachtes aus den Jahren 1894 und 95, liegende Kurbelmaschinen mit Plungern, sind wenige Meter über dem Niveau des Ernst-August-Stollens eingebaut und sämtliche zur Vermeidung von gefährlicher Stösse mit Windkesseln, teilweise auch mit Sicherheitsventilen versehen.

Erhöhtes Interesse beanspruchen die Förder und die Fahrkunstmaschine.

Die Fördermaschine, als Zwilling gebaut, besitzt drei Cylindersysteme zu je zei Doppelcylindern, die in der üblichen Weise mittels Kurbelmechanismus die Seilkorbwelle in Umdrehung setzen.
Das eine, stets betrieben System dient zum Heben der reinen Förderlast (Erzladung = 750kg);
bei dem zweiten System, welches das Seilübergewicht heben soll, wird das Kraftwasser während des Seilaufzuges allmählich abgedrosselt und nach Begegnen der Förderkörbe gänzlich abgestellt;
das dritte System tritt nur im Fall der Totpunktlage der einen Kurbel bei Förderbeginn für Augenblicke in Thätigkeit.

Gefällehöhe: 350m, Nutzeffekt bei 6m Fördergeschwindigkeit = 60 Pferde.
Kolbenhub = 600mm, Kolbendurchmesser beim ersten System = 155mm, bei dem anderen 100mm.
Die Steuerung erfolgt durch Kolbenschieber, die Umsteuerung durch Umschaltung des Druck- und Auslasswassers.
Seiltrommeldurchmesser = 3,5m.
Hydraulische Bremsvorrichtung, sowie Fussgewichtsbremse."

Quelle:
Bannitza, H.; Klockmann, F., Lengemann, A.; Sympher, A.: (1895): Das Berg und Hüttenwesen des Oberharzes: Stuttgart, Seite 195.
Bild:
Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Die Anordnung der Wassersäulenfördermaschine sowie der Seilscheiben im Blindschacht. Zeichnung: Boyke, HJ (1999) Zeichnungen zur Oberharzer Wasserwirtschaft; Clausthal-Zellerfeld, Seite 64.

"Die ehemalige Seiltrifft der Blindschachtfördermaschine.
Die Förderung erfolgte über eine Umlenkrolle im Schacht. Sie stellte als Gestellförderung eine Neuerung dar.
Statt bisher der Fördertonne mit Erzinhalt wurde nunmehr der eiserne Förderwagen mit 0,5 qbm Inhalt auf die Sohle des Ernst-August-Schachtes gehoben und nahe des Schachtes in große Erzbunker entleert.
Die Bunker faßten je 100 m3 Erz. Von dort ging es per Erzkahn zum Ottiliae-Schacht und schließlich zur neuen Zentral-Aufbereitung.
Der Raum wurde 1887-88 aufgefahren und mit Ziegelsteinen ausgemauert. Dieser Ausbau stellte eine Neuerung im Clausthaler Bergbau dar.
Nach dessen Stillegung erfolgte der Einbau von Rohrleitungen, die das Wasser zum Antrieb der Pelton-Turbinen (Gleichdruckturbinen) lieferten."

Quelle:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 56 u. 57.

"Der Raum der früher die Blindschachtfördermaschine beherbergte, ist vollständig erhalten geblieben.
Zu sehen sind vorne im Bild einige starke Wellen und ein Wellenlagerblock, welche in der Maschine eingesetzt waren. Links geht es auf der Sohle der oberen 4. Strecke querschlägig zur ehemaligen Bootsanlegestelle am Schacht Herzog Georg Wilhelm....
... Zur Bootsanlegestelle gelangten Personen über ein kleines Fahrschächtchen worin eine 8m hohe Fahrte stand.
Die söhlige Förderung mit Erzkähnen auf der tiefen Wasserstrecke wurde bereits 1898 aufgegeben, als die in 620m Teufe liegende Tiefste Wasserstrecke mit einer elektrischen Lokomotivförderung eingerichtet wurde.

Quelle:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 57 u. 58.

"Als der Wilhelm-Schacht bis zum Niveau des Ernst-August-Stollens abgeteuft war, wurden von hier aus die Erze des Burgstätter Reviers mit Lastkähnen zur Aufbereitung am -Ottiliae-Schacht gefördert.
Dazu wurden sie bis zur "Oberen 4. Sohle" gehoben und mit einem Kreiselwipper in eine "Füllrolle" abgekippt. (Dies sehen wir im oberen Bildteil.)
Von dort aus konnten sie direkt über eine verschließbare "Schurre" in die großen Holzkästen auf dem bereitgestellten Kahn geladen werden.
Am "Ruderseil" zog der Schiffer den Erzkahn zum Ottiliaeschacht."

Die Oberharzer Bergleute waren mit diesem System die Erfinder des heutigen "Wechselcontainers".
Am Ottiliae-Schacht wurde der komplette Holzkasten mit dem Erz aus dem Kahn gehoben und zu Tage gefördert.

Quelle:
Boyke, HJ (1999) Zeichnungen zur Oberharzer Wasserwirtschaft; Clausthal-Zellerfeld, Seite 61.

"Die Wassersäulenfahrkunstmaschine bewegt durch ein liegenden Plunger unter Vermittlung eines hydraulischen Gestänges alternierend zwei im Schacht stehende, senkrechte Plunger, an deren Kolbenstangen die Fahrkunstgestänge angeschlossen sind.
Den liegenden Plunger umgeben, durch Querhäupter mit ihm verbunden, vier Cylindersysteme zu je zwei Doppelcylindern, die je nach Kraftbedarf bald einzeln, bald zu mehreren an- oder abgestellt werden.
Ein fünftes System, einwirkend auf eine zur Hauptkurbel um 90° versetzte zweite Kurbel, soll namentlich beim Anlassen der Maschine unterstützend eingreifen.

Mit dem Arbeitsplunger verbunden ist ein mit Pressluft arbeitender Kraftgenerator. Bei einseitiger Gestängebelastung während des Einfahrens der Belegschaft wird bei abgestelltem Kraftwasser das Abfallwasser von den Systemen angesaugt und geht durch das Auslassventil in den regulierbaren Drosselcylinder und von dort aus ins Freie.
Die Maschine hat Differenzialkolben und Ventilsteuerung.

Gefällehöhe: 360m; Wasserverbrauch bei 4 Touren p. M. 1,545 cbm.
Die Differenzialplunger haben 181 und 128mm Durchmesser und 1500mm Hub bei den Hauptsystemen, und 344, bzw. 242mm Durchmesser und 750mm Hub bei der Hilfsmaschine."

Quelle:
Bannitza, H.; Klockmann, F., Lengemann, A.; Sympher, A.: (1895): Das Berg und Hüttenwesen des Oberharzes: Stuttgart, Seite 196.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Die Fahrkunstwassersäulenmaschine.

Die Wassersäulenmaschinen zum Betriebe der dynamoelektrischen Lichtmaschine, mit Kolbenschieber und mit Differenzialkolben versehen, leistet bei 360m Gefällehöhe und 80 Umdrehungen p. M. einen Nutzeffekt von 4,8 Pferden.
Wasserverbrauch p. M. = 75Liter.

Die durch Riementransmission betriebene Dynamomaschine, welche drei Bogenlampen und 10-15 Glühlampen versorgen soll, macht 1400 Touren und hat eine garantierte Minimalleistung von 29 Ampeès bei 65 Volt."

Quelle:
Bannitza, H.; Klockmann, F., Lengemann, A.; Sympher, A.: (1895): Das Berg und Hüttenwesen des Oberharzes: Stuttgart, Seite 196.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

"Die Wassersäulenmaschine zum Betriebe des Luftkompressors, der die Bohrmaschinen versorgt, hat Differenzialkolben und Ventilsteuerung und außerdem zur Entlastung der Ventile Kolbenschiebersteuerung.

Durchmasser des Differenzialkolbens = 246 und 182mm, Hub = 700mm.
Der mit der Kurbelaxe verkuppelte trockene Schieberkompressor mit einem Luftcylinder von 550mm Weite und 650mm Kolbenhub liefert bei 30 Touren pro Minute 9 cbm Luft von 5 Atm. Pressung.
Gefällehöhe = 360m; Wasserverbrauch = 0,9 cbm pro Minute."

Quelle:
Bannitza, H.; Klockmann, F., Lengemann, A.; Sympher, A.: (1895): Das Berg und Hüttenwesen des Oberharzes: Stuttgart, Seite 196.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

"Ein kleinere Wassersäulenmaschine, die die Windkessel der übrigen Maschinen mit Pressluft speißt, verbraucht bei 60 Umdrehungen pro Minute 80 L Wasser."

Quelle:
Bannitza, H.; Klockmann, F., Lengemann, A.; Sympher, A.: (1895): Das Berg und Hüttenwesen des Oberharzes: Stuttgart, Seite 196.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Füllort des Schachtes Kaiser-Wilhelm II.
Ausrichter (Schachtarbeiter) auf der Förderschale, 823m unter Tage.

Bild: Historische Postkarte.

Bohrmaschinenbetrieb im Abbau

Bohrmaschinenbetrieb im Abbau (Firste).
20. östlichste Strecke "Kaiser-Wilhelm II", 811m unter Tage.

Bild: Historische Postkarte.

Grubenausbau in Holz

Grubenausbau in Holz.
19. Strecke, 460m westlich von "Schacht Kaiser Wilhelm II", 769m unter Tage.

Bild: Historische Postkarte.

Lösestunde (Essenspause)
19. westliche Strecke. "Schacht Kaiser Wilhelm II", 769m unter Tage.

Bild: Historische Postkarte.

"Ein Blick auf eine der leistungsfähigsten Turbinen, eingebaut im ehemaligen Fahrkunstwassersäulenmaschinenraum am Kaiser- Wilhelm-Schacht in 364m Teufe im Jahre 1951.
Sie lieferte bis 1980 während des Betriebes 1.351 kw (1836 PS). Der Ausbau des Raumes blieb unverändert, ...
Selbst das Wellblechdach und die Krahnbahn stammen aus den 1880er Jahren. Sie waren also zum Zeitpunkt der Aufnahme schon über 100 Jahre alt.

Bei den Peltonturbinen wurde das Wasser in den Düsen stark beschleunigt und traf als Freistrahl auf das Laufrad mit becherförmigen Schaufeln.
Am Düsenaustritt hatte der Strahl Atmosphärendruck. Die Leistungsregelung einer Peltonturbine erfolgte durch Veränderung des Düsenquerschnitts und durch Zu- und Abschalten einzelner Düsen.
Der Düsenquerschnitt wurde durch eine verschiebbare Nadel in der Düse verändert.
Typische Leistungsbereiche sind 500 Kw bis 250 Mw bei Nennfallhöhen von 100 bis 1.000 m und 50 m³; Nennvolumenstrom.
Im Samsonschacht des ehemaligen Bergrevires von St. Andreasberg laufen auch heute noch zwei Turbinen zur Stromerzeugung."

Quelle:
Markworth, Lutz (2002): Verschlossen und verriegelt: Bergbaurelikte der Königlich-Preußischen Berginspektion Clausthal/ Lutz Markworth. Oberharzer Geschichts u. Museumsverein e.V. Clausthal-Zellerfeld. Seite 58 u. 59.

Bild: Fotosammlung des Oberharzer Bergwerksmuseums

Das Wasserkraftwerk Wilhelmschacht im Zustand von 1963.

Die Zeichnung zeigt Anordnung der fünf Turbinen im Kaiser Wilhelm Schacht in 364m Tiefe. Bis 1980 blieb die Anlage nahezu unverändert.

"In der Halle der Fahrkunstwassersäulenmaschine entstand ein untertägiges Wasserkraftwerk, in dem 6 von Freistahlturbinen angetriebene Generatoren zusammen bis zu 4556 Kilowatt Strom erzeugten.
Die elegante Art der sauberen Stromerzeugung fand am 31. März 1980 sein Ende, nachdem die Wassernutzungsrechte an das Land Niedersachsen zurückgegangen waren."
Quelle:
Liessmann, Wilfried (2010): Historischer Bergbau im Harz, Ein Kurzführer. 3.Auflage: Berlin/Heidelberg, Seite 182.


Zeichnung: NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc.2 Nr776.

Erinnerungen an den Schacht Kaiser-Wilhelm II

Das halbstündige Video von Stefan Zimmer und Andreas Gundermann zeigt Bilder aus verschiedenen Phasen des Schachtes Kaiser-Wilhelm II, von seiner Errichtung 1880bis zu seiner Verwahrung und dem Ende des betriebenen "Oberharzer Wasserregals" 1984.
Eindrücklich sind die Bilder der Turbinen sowie der elektischen Warte.

Leider läuft der von der Universität Clausthal veröffentlichte Film nicht auf Smartphones.


"Erinnerungen an den Kaiser-Wilhelm-Schacht
Im Gespräch mit Oberharzer Bergleuten

Der Kaiser-Wilhelm-Schacht bei Clausthal war die modernste Schachtanlage des Oberharzes im ausgehenden 19. Jahrhundert. Nach gut 10 Jahren Bauzeit wurde er am 02. Oktober 1892 eingeweiht und auf Wunsch der weit über 1000 Mann starken Belegschaft nach Kaiser Wilhelm II benannt. Bei der einheimischen Bevölkerung galt der Schacht als "Lebensader des Oberharzes".
Bis 1930 währte der Abbau der silberhaltigen Blei-, Zinkerze. Die letzte Abbausohle, die dreiundzwanzigste, befand sich in einer Tiefe von 1050 m!

Nach dem 2. Weltkrieg beginnt die zweite Betriebsphase des Schachtes. Stromerzeugung durch Wasserkraft für die Erzbergwerke Bad Grund und Goslar so wie die Hüttenanlagen in Harlingerode. 100 Jahre nach Beginn der Abteufarbeiten wird 1980 auch die Stromerzeugung eingestellt.
1985 wird der Kaiser-Wilhelm-Schacht bis in eine Tiefe von 70 m mit Beton verschlossen. Die vollständig erhalten gebliebenen Bergwerksanlagen über Tage sind heute technisches Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung!

Im Film begegnen wir 3 Bergmännern. Zeitzeugen, deren Arbeitsleben eng mit der Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Schachtes verbunden sind:
Albert Bothe, Bergmann von 1917-1946, war als Hauer noch auf der 23. Sohle tätig. Horst Böttcher, Fördermaschinist und Kurt Kleinhardt, Betriebselektriker, erinnern sich an die Zeit im Wasserkraftwerk, 364 m unter Tage.
Seltene Foto- und Filmdokumente ergänzen die Berichte der Bergleute.
Getreu der alten Tradition der Bergwerkskapellen, sorgen drei Bläser für die musikalische Untermalung.

Seit August 2010 gehört der Kaiser-Wilhelm-Schacht zum Weltkulturerbe
Oberharzer Wasserwirtschaft."

Grafik Andreas Gundermann
Produktion Stefan Zimmer
Kamera Stefan Zimmer
Regie Stefan Zimmer

Quelle: TU Clausthal; Video-Server > Dokumentationen > Erinnerungen an den Kaiser-Wilhelm-Schacht URL: https://video.tu-clausthal.de/film/276.html Stand 07.09.2017.