Spiegeltal

Eyecatcher: Historische Postkarte aus dem Spiegeltal.

Der Bergbau im Spiegeltal hatte seine Höhepunkt zwischen 1720-1740, bereits 1764 aber lagen die Gruben wegen Erschöpfung der Erzmittel still.
Entsprechend lange sind die meisten Gräben bereits außer Betrieb, abgeworfen, wie der Bergmann sagt.

1816/17 wurde der Spiegeltaler Hoffnungschacht aufgefahren um eine weitere Erkundung der Erzgänge des Spiegeltals vorzunehmen.
Im Spiegeltaler Hoffnungschacht wurde 1833 die weltweit erste Fahrkunst nach der Erfindung von Georg Dörell eingebaut.
Der Schacht war der im 19. Jahrhundert der zweitteuerste Versuchsbau des Königreichs Hannover und blieb trotz alles Anstrengungen erfolglos.

Schemazeichnung des Prototypes der Fahrkunst im Spiegelthaler Hoffnungsschacht 1833 : deutlich erkennbar die Fahrten zwischen den beiden Gestängen, die bei späteren Fahrkünsten wegfielen.
Quelle:Leo, Wilhelm (1861) Lehrbuch der Bergbaukunde: Quedlinburg Seite 304.

Die Aufschlaggräben für den Spiegeltaler Hoffnung-Schacht finden sich auf der Karte von Dumreicher aus den Jahr 1866.

1893, auf der Karte von Sandkuhl, ist nur noch der Obere Spiegeltaler Flutgraben, der Wasser um den Oberen Spiegeltaler Teich führt, wasserführend.
Alle anderen wasserführenden Gräben im Spiegeltal führen anderen Gefällen Wasser zu oder dienen dem Hochwasserschutz.

Als eingetragene wasserführende Welterbeanlagen finden sich heute im Spiegeltal nur folgende Gräben:

--Harleweger Graben, dieser dient dem Hochwasserschutz des (Weges-)Mühlenteichs und des Unteren Kellerhalsteichs, in dem es Hochwasserspitzen aus dem Kellerhalstal um diese Anlagen herum führt.

-- der Zellerfelder Kunstgraben versorgt heute die Turbinen im ehem. Keller der Einersberger Zentrale mit Aufschlagwasser.

--als dritten wasserführenden Graben finden wir auf der Welterbekarte den Graben zur Untermühle im Oberen Spiegeltal.

Wasser findet sich ebenfalls in Teilen des Ernst-August-Grabens und im Südlichen Spiegeltaler Umflutgraben (Flößgraben). Letzterer wurde zur Zeit Dumreichers (1866) Oberer Spiegeltaler Flutgraben genannt.
Diese beiden Gräben sind Bodendenkmäler des Welterbes und folglich amtlich nicht wasserführend

Da die erzführenden Gänge dem Spiegelbach, auch Furbach genannt folgten, war der Bergbau im Spiegeltal von starken Wasserhaltungsproblemen in den Gruben geprägt. Entsprechend viel Aufschlagwasser musste den Kunsträdern der Pumpen zur Sümpfung der Gruben zugeführt werden.
Um ja kein Wasser zu vergeuden, keine Höhe zu verlieren, transportierte der eine Graben das Wasser nach Westen, sobald es seinen Einsatzort am Kunst oder Kehrrad erreicht hatte, wurde es teilweise fast durch das ganze Tal wieder nach Osten geführt, teils bis in Pisstal und bis nach Bockswiese, wobei es kurz unterhalb des eigentlichen Ursprungs am Taleingang geführt wurde.
Von dieser Betriebsphase zeugen noch heute die zahlreichen abgeworfenen Gräben im Spiegeltal, die sich auf der Karte von Jürgen Krieghoff und im Gelände wiederfinden.

Quelle Karte: Jürgen Krieghoff, Die Gräben im Spiegeltal.

Die Gräben im Spiegeltal auf einer Gesamtübersicht von Jürgen Krieghoff.
Gut zu sehen sind die zum Teil 5-fach übereinander liegenden Gräben um noch die kleinste Wassermenge zum Betrieb der Kunst u. Kehrräder auszunutzen.
Eine ausführliche Beschreibung der Gräben finden sie hier als PDF [1.561 KB] .

Quelle Zeichnung: Ausschnitt aus: HSTAH BaCl Rissarchiv Nr 996_1.

Auf der Karte von Dumreicher aus dem Jahr 1866 sind die Gräben zur Versorgung des Spiegelthaler Hoffnung-Schachtes und des Pochwerks im Spiegeltals, mit Aufschlagwasser, zu sehen.

Am unteren Bildrand die ist Verlängerung des Zellerfelder Kunstgrabens, über die Teilung vor dem Winterwieser Wasserlauf hinaus, zu sehen. Es handelt sich um den Haus-Sachsener Kehrradsgraben zur Versorgung der Grube "Haus Sachsen", auf dem Zellerfelder Gangzug (Bleifelder Gang) im Stuffenthal.

Haase beschreibt die Situation 1961 folgendermaßen:
>>An einem "Teilerhaus", etwa in der Mitte zwischen Winterhalbe und Bockswieser Berg, wurden früher die Wasser geteilt: Ein Graben verlief in westlicher Richtung weiter um die Winterhalbe herum bis zum Stuffental oberhalb von Wildemann. Er hieß der Haus Sachsener Kehrradsgraben. Seine Wasser betrieben, gemeinsam mit den Vorräten aus dem kleinen Haus Sachsener Teich, ein Kehrrad auf der Grube Haus Sachsen. Die Grube ist später als St. Joachim, auch Jochen genannt weitergeführt worden.<<

Bild: Der Haus Sachsener Kehrradsgraben, heute über weite Strecken nur noch eine Rille im Gelände. Nur kurz vor dem ehemaligen Johanneser Kurhaus ist der Graben über eine kurze Strecke halbwegs intakt.

>>Die Abfallrösche des Kehrrads lief vom Stuffental zu dem westlichen Abschnitt des Ernst-August-Grabens.....
...Beide Gräben, zwischen denen noch zwei andere im Gelände erkennbar sind, geben die Richtstrecke an für bequeme und aussichtsreiche Wanderwege im Umkreise des Johanneser Kurhauses.
Das Kurhaus steht an der Stätte der einstigen Zechen des "Bleifeldes". Es übernahm die Nachfolge des früheren Haus-Sachsener Zechenhauses. Der Haus Sachsener Teich ist als Idyll am Wiesenhang erhalten; er liefert jetzt Karpfen für die Kurgäste.
Dumreicher nennt ihn 1868 den "Sumpf über dem Zechenhause". Doch der Teich ist auf der Abrißkarte von 1680 bereits als Haus-Sachsener Teich eingetragen.<<
Quelle: Haase, Hugo (1961): Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz, 1.Auflage: Clausthal-Zellerfeld. Seite 42.

Das ehemalige Johanneser Kurhaus auf einer historischen Postkarte.
Im Vordergrund der Haus Sachsener Teich.
Rechts am Dammende ist der intakte Striegel (Grundablass) des Teiches zu sehen.

Die Reste des Striegels des Haus Sachsener Teichs im Jahr 2012 , vom Wanderweg auf dem Damm aus gesehen.
Der Teich ist heute der Welterbebestandteil Nr. 78 des Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft.
Wann wird der Striegel wohl instandgesetzt?

Die Reste der Radstube der Grube Charlotte im Oberen Stuffenthal.
Über dem unterhalb befindlichen Charlotter Abfallgraben wurde das Wasser zurückgeführt zur Freiflut am Spiegeltaler Hoffnung Schacht.
Dieser Graben muss der von Haase gemeinte "westliche Abschnitt des Ernst-August-Grabens" sein.
Hier irrt Haase wohl, denn laut der Karte von Krieghoff haben beide Gräben keine Verbindung, der Ernst-August-Graben liegt sogar etliche Höhenmeter tiefer. Das Wasser fließt erst durch die Freiflut am Spiegeltaler Hoffnung-Schacht, bevor es im Ernst-August-Graben gefasst wurde.
Haase orientierte sich wohl an der Karte von Sandkuhl, es war ja die "neueste" Ausgabe der Karte der Spiegeltaler Gräben.

Quelle Zeichnung: Ausschnitt aus: HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 997.

Auf der Karte von Sandkuhl (1893) sind die Gräben zum Spiegelthaler-Hoffnung-Schacht und zum Pochwerk abgeworfen. Einzig der Obere Spiegelthaler Flutgraben ist noch wasserführend.
Auch die Verlängerung des Zellerfelder Kunstgrabens über den Winterwieser Wasserlauf hinaus ist abgeworfen.
Über den Stadtweger Graben wird noch Aufschlagwasser für die Gruben in Bockswiese geführt.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Geologische Landesämter der BRD;
Sperling; Stoppel; Dennert, Tiemann (1981); Geologisches Jahrbuch Reihe D, Heft 46: Hannover.

Karte: Ausschnitt aus der Gangkarte des Oberharzes mit dem Spiegeltaler und dem Zellerfelder Gangzug bzw. Buschesseegener Gang. Grün eingezeichnet die Erz führenden, schwarz die tauben Gänge.

In der Nähe des Punktes 126 (Schacht Buschessegen) steht noch heute das Teilerhaus, das dass Wasser auf den Haus Sachsener Kehrradsgraben und den Winterwieser Wasserlauf aufteilte.
Der Haus Sachsener Kehrradsgraben folgt dann der Höhenlinie zum Punkt 152 ( Schacht Haus Sachsen).
Die Radstube des Schachtes Charlotte (Punkt 150) liegt nördlich im Stuffental. Die Kraftübertagung erfolgte über ein 200m langes Feldgestänge.
Das Wasser wurde dann zurückgeführt zum Punkt 123 (Richtschacht Spiegeltals Hoffnung)
Die ertragreichen Gruben lagen im westlichem Spiegeltal.

Folgende Gruben wurden über die Zeit im Spiegeltal betrieben:

113: Schacht Siebengestirn.
114: Blindschacht Silberner Mond.
115: Schacht Silberner Mond.
116: Silberner Mond Zieschacht.
117: Kunstschacht.
118: Schacht Kleeblatt.
119: Schacht Frischer Steiger.
120: Schacht Güldene Sonne:
121: Schacht Redensglück.
122: Schacht Alte Güldene Sonne.
123: Richtschacht spiegeltals Hoffnung.
124: Engeler Schachtpinge.
125: Schacht Hilfe Gottes zur Neumark.
126: Schacht Buschessegen.

Legt man die Karte von Jürgen Krieghoff und die Gangkarte des Oberharzes übereinander, wird das ausgeklügelte Grabensystem zur Wasserversorgung der Gruben deutlich.
Hier erkennt man den kulturhistorischen Wert des Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft.

Die Welterbeanlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft im Spiegel- und Grumbachtal.

Quelle:
Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft u. Kultur, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (2007): Antrag zur Eintragung der Oberharzer Wasserwirtschaft in die UNESCO-Welterbeliste, Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar.Hannover/Braunschweig. Zusammengefügter Ausschnitt aus Anhang IV-5 und IV-6.


Elemente aus dem Spiegeltal im Internet:

Spiegeltaler Zechenhaus

Die Erzgänge und Eisensteins-Lagerstätten des nordwestlichen Oberharzes (pdf) um 1837.

Spiegeltaler Hoffnungschacht: https://de.wikipedia.Spiegelthaler Hoffnungsschacht

Fahrkünste-Vom Harz in die Welt (pdf): http://www.mineral-exploration.com.pdf
Spiegeltaler Gangzug: https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegeltaler_Gangzug