Polsterberger Hubhaus

Eyecatcher: Historische Postkarte, ca. 1910.

Polsterberger Hubhaus

Mitte der Sechziger Jahre stellte sich die Situation wie folgt dar:

>>Hier war zu dieser Zeit Grabenwärter Kleinert mit Familie und Schwiegermutter zu Hause. Neben dem Gastwirtschaftsbetrieb war Kleinert zuständig für die umliegenden Teiche und vor allem für die beiden Pumpwerke „Rotenberg“ und „Polsterberg“, die Dammgrabenwasser in die beiden Tränkegräben zur Alimentierung von Hirschler Teich mit der Pfauenteichkaskade sowie dem Jägersbleeker Teich auf ein 18m über dem Dammgraben liegendes Niveau hoben. Außerdem gehörte das Pumpwerk unterhalb des Fortuner Teiches zu seinem Arbeitsrevier.<<
Dressel, Hans-Jürgen (2013) Goslar.

Das Polsterberger Hubhaus im Internet:

www.polsterberger-hubhaus.harz.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Polsterberger_Hubhaus


Wandern Am Polsterberger Hubhaus.

Station am Welterbe-Erkenntnis-Weg.

Wanderungen am Polsterberger Hubhaus:

Welterbe-Erkenntnis-Weg am Polsterberger Hubhaus.

Tour 12: Rundwanderung um die Welterbestätte "Hutthaler Widerwaage".

Tour 18: Themenwanderung durch das Polstertal.

Tour 2: Rundweg am Welterbe "Alter Dammgraben".

Oberer Schleiftrog des Kunstrades (Kunstradstube).

Die geschichtliche Entwicklung des Hubhauses 1.

Das Polsterberger Hubhaus ist eines der Bauwerke im Hutthaler Widerwaagesystem.

Errichtet wurde die erste Hubkunst 1801 nach einem Wassermangel 1800, bei dem es zu Versorgungsschwierigkeiten mit dem Aufschlagwasser für die beiden so wichtigen Gruben Caroline und Dorothea kam.

Diese Gruben benötigten das Aufschlagwasser zum Antrieb der Kunst.- u. Kehrräder auf dem 1. Fall, der Dammgraben führte dieses wichtige Aufschlagwasser aber auf dem dritten Fall heran.

Um dieses Wasser nun um 18m hoch auf das Niveau des "Neuen,(höheren) Tränkegrabens", dem ersten Fall, zu bekommen ersann der Oberbergmeister Steltzner im Jahr 1800 die Hubkunst.


Quelle: Liessmann, Wilfried (2010): Historischer Bergbau im Harz, Ein Kurzführer. 3.Auflage: Berlin/Heidelberg, S.203-207.

Schema der Hubkunst.

Das Bild zeigt die Schematische Funktionsweise der Hubkunst nach 1909. Davor war nur eine Stangenkunst errichtet. Quelle: Bearbeitete Abfotographie einer Hinweistafel am Polsterberger Hubhaus. Zeichnung von Boyke, H.-J. Goslar.

Die geschichtliche Entwicklung des Hubhauses 2.

Zunächst wurde im Polstertal das untere Kunstrad errichtet, das vom Hellerthaler Graben und mit dem Wasser aus dem Polsterloch beaufschlagt werden konnte.
Im Jahr 1809 wurde dann das höhergelegene Kunstrad errichtet, das die zweite Pumpenanlage im Schacht des Hubhauses antrieb.
Dieses Rad wurde mit Wasser aus dem Fortuner Teich mit Hilfe des Fortuner Grabens versorgt.
Die Kraftübertragung von den jeweiligen Kunsträdern auf die Pumpen erfolgte zunächst mit Hilfe einer Stangenkunst.

Ende des 19. Jahrhundert wurde diese Stangenkunst dann durch eine Seiltrifftanlage ersetzt.
Im Jahr 1909 wurde das Hubhaus dann abgeworfen und die Wasserhebung vom Dammgraben mit Hilfe der elektischen Pumpen im Polsterberger Pumpenhaus und dem Rothenberger Pumpenhaus bewerkstelligt.
In diesem Zug wurde auch das Teilstück des "Neuen Tränkegrabens" zw. dem Hubhaus und dem Schwarzenberger Wasserlauf mit abgeworfen.
Die beiden Pumpenhäuser wurden von der Preussagin der letzten Nutzungsphase der Oberharzer Wasserwirtschaft, der Stromerzeugung in Turbinen, noch bis in das Jahr 1980 betrieben und dann abgeworfen (stillgelegt).

Quelle: Liessmann, Wilfried (2010): Historischer Bergbau im Harz, Ein Kurzführer. 3.Auflage: Berlin/Heidelberg, S. 203-207.


1743

1743

Die Karte von Rausch aus dem Jahr 1743 zeigt die Situation am Hubhaus mit dem Vorläufer der Hubkunst, dem "Polsterberger Wasserlauf". Das Hubhaus steht noch nicht. Der Lange Graben, der Vorläufer des Dammgrabens, heißt noch "Alter Graben nach den Kautzthälern".
Der heutige Dammgraben wird noch als "Graben vom Sperberdamm nach den Oberen Haus Hertzberger Teich" bezeichnet.

Im Hutthal ist der Untere Hutthaler Teich mit dem Mundloch des Polsterberger Wasserlaufs zu sehen. Der Obere Hutthaler Teich ist noch nicht gebaut.
Der rote Kreis kennzeichnet den Standort des heutigen Hubhauses.

Die Karte ist noch nicht genordet, oben ist hier Süden.

Quelle: Ausschnitt aus der Karte von Rausch, HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 1896-2

1800

1800

Im Jahr 1800, dem Jahr des großen Wassermangels, stellt sich die Situation wie folgt dar:

Das Hubhaus wird in Planung sein. Im Hutthal ist bereits der Obere Hutthaler Teich entstanden.

Zu sehen sind außerdem die vielen Pingen im Bereich des Verlaufs des Polsterberger Wasserlaufs. Diese sind noch heute im Gelände gut ansprechbar.

Der "Kautzthäler Graben", der höhergelegte, verlängerte "Neue Tränkegraben" ersetzt auf einem höheren Geländeniveau den abgeworfenen "Langen Graben". Dieser Kautzthäler Graben war bis zur letzten Betriebzzeit der Oberharzer Wasserwirtschaft in Betrieb. Sowohl der Lange Graben als auch der Kautzthäler Graben sind noch heute gut im Gelände zu finden und durchaus eine Exkursion wert.

Die Grube "Königin Anne" scheint ihr Grubenwasser durch eine "Freiflut", ein oberirdisches Gewässer, oder durch ein Wasserlösungsstollen dem Polsterberger Wasserlauf zuzuführen.

Quelle: Ausschnitt aus der Karte von Quensell; HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221

1866 Profilriss von Dumreicher.

1866, Profilriss von Dumreicher.

1866 war das Hubhaus für die Wasserversorgung der Gruben Dorothea und Caroline so bedeutungsvoll das Dumreicher die Stangenkunst mit auf seinen Profilriss übernahm.

Quelle:
Dumreicher, Alfred (1866): Kartenausschnitt aus dem "Gesamtüberblick über die Wasserwirtschaft des nordwestlichen Oberharzes, Profilriss: Clausthal. NLA HSTA BaCl HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 996-2.

1866

1866.

Bereits um 1866 ist der Obere und der Untere Hutthaler Teich nicht mehr in Betrieb.
Der "Schwarzenberger Wasserlauf" ersetzt den "Polsterberger Wasserlauf".
Der Hutthaler Graben wird auf dem Damm des aufgegebenen Unteren Hutthaler Teichdamms geführt.
Diese Situation findet man noch heute vor.

Auf dieser Karte ist auch gut zu sehen das das Untere Kunstrad in den Polster(thaler) Teich entwässert.
Das Wasser wurde hier zwischengespeichert und im weiteren Verlauf zum Antrieb von vier Pochwerken im Unteren Polsterthal sowie am Schwarzen Wasser genutzt bevor es noch eine weitere Verwendung in der Altenauer Silberhütte fand.


Quelle:
Dumreicher, Alfred (1866): Kartenausschnitt aus dem "Gesamtüberblick über die Wasserwirtschaft des nordwestlichen Oberharzes, Clausthal. NLA HSTA BaCl HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 996-1.

1893

1893

Die Karte von Sandkuhl zeigt das Geschehen 16 Jahre vor Stillegung der hölzernen Pumpen der Polsterberger Hubkunst.
Auf der Karte ist der Verlauf der abgeworfenen Dammgrabenteile (gestrichelte Darstellung) sowie der abgeworfene "Kalte Küche Wasserlauf" zu sehen.
Der erhöhte, "Neue Tränkegraben" wird als Tränkegraben bezeichnet. Der Obere Hutthaler Teich ist nicht mehr eingezeichnet, die Wasser aus dem Hutthal werden durch ein kurzes Teilstück des "Alten Huthaler Grabens" dem Hutthaler Widerwaagesystem zugeführt.
Der Grüneberger Graben, der direkt in die Hutthaler Widerwaage entwässerte, ist nur noch gestrichelt eingezeichnet und ebenfalls bereits abgeworfen.
Die Gruben Dorothea u. Caroline waren nicht mehr in Betrieb, das Wasser fand seine Verwendung in einer Sägemühle am Wetterschacht sowie in der Wassersäulenmaschine im Schacht Königin Marie außerhalb des linken Bildrandes.

Quelle: Ausschnitt aus der Karte von Sandkuhl; HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 997.

1900.

1900.

Das Hubhaus um 1900.
Zu sehen ist in der Bildmitte am Hubhaus das hölzerne Gefluder das das durch die Pumpen gehobene Wasser in den erhöhten, "Neuen Tränkegraben" führte.

Quelle: Historische Postkarte.

Vor 1909.

Vor 1909.

In der letzten Betriebszeit der im Hubhaus untergebrachten hölzernen Pumpen wurde die Antriebskraft der Kunsträder über eine Seiltrift statt über die Feldgestänge übertragen. Diese Art der Kraftübertragung endete mit der Errichtung des Polsterberger Pumpenhauses und des Rothenberger Pumpenhauses.
Die Kunsträder waren der Konkurrenz des elektrischen Antriebs nicht gewachsen. Zu groß war der Pflegeaufwand für die hölzernen Pumpen, die Kraftübertragung über die Seiltrift und die großen Kunsträder.
Der Platz an dem sich dieser hölzerne Turm befand ist auf der Grabenbrust des Dammgrabens noch gut zu sehen.

Quelle des Fotos:
Bearbeitete Abfotographie in der Ausstellung der Stiftung Welterbe im Harz im Polsterberger Pumpenhaus anlässlich des Tag des offenen Denkmals am 13.08.2015.

Nach 1909.

Nach 1909.

Rechts zu sehen ist der neue, "erhöhte" Tränkegraben der das Wasser in früheren Zeiten in Blickrichtung zum Schwarzenberger Wasserlauf und über den Hutthaler Graben sowie die Hutthaler Widerwaage in den Hirschler Teich brachte. Das hölzerne Gefluder, das das Wasser von den Pumpen im Hubhaus in den Tränkegraben leitete, ist bereits abgebaut. Zu diesem Zeitpunkt müssen die elektrischen Pumpen im Polsterberger Pumpenhaus und dem Rothenberger Pumpenhaus bereits in Betrieb gewesen sein.
Das im Bild sichtbare Teilstück des "Neuen Tränkegrabens" bis zum Auslauf der Rothenberger Pumpenleitung ist nicht mehr wasserführend und bereits außer Betrieb, "abgeworfen" wie der Bergmann sagt.

Quelle des Fotos:
Bearbeitete Abfotographie in der Ausstellung der Stiftung Welterbe im Harz im Polsterberger Pumpenhaus anlässlich des Tag des offenen Denkmals am 13.08.2015.

Nach 1909: Blick zum Polstertaler Teich.

Nach 1909: Blick zum Polstertaler Teich.

Dieser Blick zum Polstertaler Teich von der Grabenbrust des Dammgrabens ist wohl auch nach 1909 aufgenommen.
Die Bänke scheinen auf dem Fundament des ehemaligen Seiltriftturms zu stehen.
Heute führt an dieser Stelle der Welterbe-Erkenntnis-Weg vorbei. Der schöne Ausblick wird vom Hochwald genommen.-
-Landschaft im Wechsel der Jahrzehnte.

Quelle des Fotos:
Bearbeitete Abfotographie einer Station auf dem Welterbe-Erkenntnis-Weg im Polstertal.

1964

1964

Die Karte zeigt den letzten Betriebszustand der Anlagen durch die Preussag AG.
Die Hubkunst ist abgeworfen und durch elektrische Kreiselpumpen in den Pumpenhäusern Polsterberg u. Rothenberg ersetzt.
In beiden Pumpenhäusern arbeiten jeweils zwei Kreiselpumpen, die das Wasser in den "Alten Tränkegraben" und in ein Reststück des "Neuen Tränkegrabens" vor dem "Schwarzenberger Wasserlauf" beförderten.
Von diesen vier Pumpen ist nur noch eine im Polsterberger Pumpenhaus erhalten geblieben.

Quelle: Ausschnitt aus: Übersichtsplan der Betriebsanlagen, NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc. 2 Nr. 776.

2015

2015

Das Polsterberger Hubhaus heute.

Auf dem Bild ist der Entnahmestollen der Hubkunst am Dammgraben und das Hubhaus zu sehen.
Rot hervorgehoben am Fundament des Hubhauses die vermauerten Eintrittsöffnungen für die ehem Stangenkunst bzw. Seiltrifft.

Das Hubhaus selbst ist nicht nur Geschichtlich eine Reise wert. Es ist eines der Häuser im Harz indem man sich kulinarisch an Harzer Wurzeln orientiert. Auf der Speisekarte finden sich "Slow Food" Gerichte mit regionaler Herkunft.